Sicilia en Primeur 2026

Sicilia en Primeur 2026: Palermo wird zum Zentrum des internationalen Weintourismus - (c) Carola Faber

Palermo wurde bei dem Auftakt der 22. Ausgabe von Sicilia en Primeur für ein paar Tage zum Zentrum der internationalen Weinwelt. Die von Assovini Sicilia organisierte Veranstaltung widmete sich in diesem Jahr dem Weintourismus. Unter dem Motto „Taste the Island. Live the Story“ diskutierten Produzenten, Institutionen, Wissenschaftler und Branchenexperten darüber, wie Sizilien seine Rolle als internationale Genuss- und Kulturdestination weiter ausbauen kann.

Wein, Kultur und Gastfreundschaft als Gesamterlebnis 
Auf dem Programm stehen Verkostungen, Besuche in Weingütern und kulturelle Erlebnisse, die die Vielfalt der Insel vermitteln sollten. Insgesamt beteiligten sich 56 Mitgliedsweingüter mit über tausend Etiketten an der Veranstaltung.

Die sizilianische Hauptstadt bot den internationalen Gästen nicht nur den passenden Rahmen für die Konferenz, sondern auch die Gelegenheit, weniger bekannte historische Gebäude zu entdecken. Dazu gehörten das frisch renovierte Real Albergo delle Povere, Schauplatz der technischen Verkostungen, ebenso wie die Kirche Santa Maria dello Spasimo und der Palazzo Sant’Elia.

Bereits zur Eröffnung machte Mariangela Cambria, Präsidentin von Assovini Sicilia, deutlich, welche Rolle der Wein heute für die Identität der Insel spielt: „Über Wein in Sizilien zu sprechen bedeutet zwangsläufig, über eine Reise zu sprechen. Eine Reise, die über die Verkostung hinausgeht und zu einer kulturellen Erfahrung wird – einer Begegnung mit dem Territorium, seinen Gemeinschaften und den tief verwurzelten Identitäten der Insel.“

Cambria unterstrich außerdem die symbolische Bedeutung Palermos als Austragungsort: „Wir haben beschlossen, diese Ausgabe von Sicilia en Primeur in Palermo auszurichten, weil diese Stadt die Vielfalt von Geschichte, Kulturen und Perspektiven verkörpert, die unsere Region so einzigartig macht.“

Studie belegt Wachstumspotenzial und Nachhaltigkeit 
Im Mittelpunkt der Eröffnungskonferenz im Oratorio dei Bianchi stand die Vorstellung einer umfangreichen Studie des Forschungszentrums CESEO der Lumsa-Universität Rom. Der Bericht analysiert den aktuellen Stand des sizilianischen Weintourismus und zeichnet das Bild eines dynamischen Sektors mit wachsender internationaler Bedeutung.

Die Zahlen bestätigen den positiven Trend: 61,4 Prozent der befragten Weingüter meldeten für 2025 steigende Besucherzahlen. Gleichzeitig erklärten 74,7 Prozent der Betriebe, dass ihre Gäste überwiegend aus dem Ausland kommen – vor allem aus Europa und den Vereinigten Staaten. Für viele Weingüter entwickelt sich der Weintourismus zunehmend zu einem eigenständigen wirtschaftlichen Faktor. Bereits 58,3 Prozent der Betriebe erzielen laut Studie rund zehn Prozent ihres Gesamtumsatzes durch touristische Aktivitäten, ohne den Direktverkauf von Wein einzurechnen.

Ein weiteres zentrales Thema war die Nachhaltigkeit. Die Studie zeigt, dass 86,7 Prozent der Weingüter Energie aus erneuerbaren Quellen erzeugen. Mehr als die Hälfte deckt bereits mindestens 40 Prozent ihres Energiebedarfs mit grüner Energie. Zudem haben 88 Prozent der Betriebe Einwegplastik aus ihren Empfangsbereichen verbannt, während viele Produzenten auf leichtere Flaschen setzen, um Transportemissionen zu reduzieren.

Ein Thema beschäftigte sich damit, wie junge Menschen wieder stärker an das Thema Wein herangeführt werden können. Vincenzo Russo, Professor für Konsumentenpsychologie und Neuromarketing an der IULM-Universität Mailand, präsentierte Ergebnisse des „Youth & Wine Observatory“. Die Untersuchung zeigt, dass 51 Prozent der Italiener zwischen 20 und 24 Jahren Wein konsumieren – der höchste jemals registrierte Wert in dieser Altersgruppe.

Für Russo spielen dabei authentische Erfahrungen eine entscheidende Rolle: „Junge Menschen lehnen Wein nicht ab: Sie suchen authentische Erlebnisse, Verbindungen und kulturelle Inhalte. Der Weintourismus könnte sehr wohl der Ort sein, an dem diese neue Beziehung zum Wein entsteht.“

Junge Zielgruppen und künstliche Intelligenz prägen die Zukunft der Branche
Neben Nachhaltigkeit und neuen Zielgruppen rückte auch die Digitalisierung in den Fokus der Konferenz. Während grundlegende digitale Werkzeuge wie Webseiten, Online-Shops und Mailinglisten inzwischen weit verbreitet sind, nutzen bislang nur wenige Betriebe fortschrittliche Systeme. Lediglich 20 Prozent verfügen über einen eigenen Wine Club, während rund ein Drittel künstliche Intelligenz in Marketing und Kommunikation einsetzt.

„Künstliche Intelligenz kann für den sizilianischen Weintourismus eine Chance sein, ein bereits außergewöhnlich attraktives Erbe in ein intelligenteres, personalisierteres und wettbewerbsfähigeres System zu verwandeln,“ so Edoardo Colombo, Präsident von Turismi AI. 

Zum Abschluss richtete sich der Blick erneut auf die langfristige Entwicklung der Insel. Mariangela Cambria betonte, dass Sizilien heute alle Voraussetzungen mitbringe, um international zu den wichtigsten Destinationen des Weintourismus zu zählen: „Die sizilianische Weinindustrie verfügt heute über alle Voraussetzungen, um sich als eines der weltweit führenden Ziele für Weintourismus zu etablieren: Authentizität, Biodiversität, Kultur und Gastfreundschaft.“

Über den Autor*Innen

Carola Faber

Carola Faber

Seit mehr als 30 Jahren ist Carola Faber als freie Journalistin sowie Fotografin für verschiedene landesweite Printtitel und renommierte Online-Magazine aktiv. 2010 erhielt sie einen Fotopreis der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung. Außerdem hat sie bei der Hannoverschen Allgemeinen an der Serie "Mein Ausflug" mitgewirkt, der den European Newspaper Award erhielt. Seit 2013 erhielt sie im Rahmen der ITB beim Journalistenpreis Irland regelmäßig einen Platz unter den TOP 10. In Spanien wurde sie mit dem Internationalen Medienpreis der Costa Brava “Counties G! Awards” ausgezeichnet.