München zählt neben Amsterdam, London und Berlin zu den europäischen Metropolen der Streetart. Die Graffiti-Bewegung schwappte iAnfang der 1980er Jahre von New York nach München über. Doch bereits 1970 gab es in München schon erste Anfänge. Damals tauchte das Wort „HEIDUK“ überall an Hauswänden auf. Niemand wusste, was es bedeutete und zahlreiche Legenden entstanden. Schließlich wurde der Heiduk-Sprayer gefasst. Dabei stellte sich heraus, dass eine Kommune oder WG im Schlachthofviertel von ihrem Vermieter ungerecht behandelt worden war. Aus Rache begannen die WG-Mitglieder den Namen des Vermieters auf die Hauswände zu schreiben und hatten dabei viele Nachahmer. Danach wurde es zunächst ruhig um die Streetart, bis Ray 1983 begann, lustige Comics auf Hauswände zu sprayen.
In New York hatte der griechische Botenjunge Ende der 1960er Jahre aus Spaß seinen Spitznamen Taki zusammenmit seiner Hausnummer 183 – „Taki 183“ auf Wände geschrieben. Das gilt als Urknall der Streetart in New York. Bis in die 1970 Jahre hinein gab es dort kaum Graffiti, weder in den U-Bahnen noch auf den Straßen.
Im Jahr 1985 sorgte München, mit dem „Geltendorf Train“, der als erster Wohletrain Aufsehen sorgte. Der Zug wurde in einer bitterkalten Nacht, in seiner gesamten Länge total bis zu den Fenstern von sieben jungen Streetart-Künstlern besprayt: Loomit, Roscoc, Roy, Cheech H, Zip, Blash und Don M. Zaza. Sie wurden gefasst und zu 1000 Mark Strafe und Sozialstunden verurteilt und wurden gleichzeitig berühmt.
Zu den Hotspots der Streetart in München gehört der Bahnwärter Thiel in der Tumblinger Straße mit seiner Hall of Fame. Hier darf jeder seine Kunst präsentieren, hier ist sprayen erlaubt. Unter der Donnersberger Brücke befindet sich die größte Open-Air-Galerie Deutschlands. Besonders auffällig sind die Murals von Beastiestylez, einer der bekanntesten Streetart-Künstlerinnen Münchens. Ihre weiblichen Motive erinnern an Momentaufnahmen aus Märchenwelten. Darüber hinaus lassen sich Werke von Künstlern wie Loomit, I Are Ugly, Eazy, Eitel, Flin, Nuke, Mr. Woodland, WonABC, Matthias Mross und Graphism entdecken.
Es gibt in München viele Plätze, Mauern und Fußgängerunterquerungen mit Streetart. Wer sie entdecken möchte, findet im Buch von Martin Arz „Streetart München“ - ein Reiseführer für Münchner, gute Vorschläge. Das Buch beschreibt mit Fotos verschiedene Fahrradtouren und Spaziergänge zu bedeutenden Streetart-Orten. Martin Arz gilt als absoluter Insider und Kenner der Münchner Streetart-Szene. In den 1990er Jahren hatte er ein Atelier im Kunstpark Ost, wo er viele Künstler kennengelernte und die Entwicklung der Streetart aus nächster Nähe miterlebte. Darüber hinaus ist er Künstler, Schriftsteller, Stadtführer und hat auch einen eigenen Verlag, den Hirschkäfer Verlag. Bekannt wurde er vor allem durch seine Kriminalromane und Sachbücher, unter anderem über Streetart und über verschiedene Münchner Stadtviertel.
Ergänzend zur Streetart im öffentlichen Raum bieten auch das Museum of Urban and Contemporary Art (MUCA) sowie das Kunstlabor Ausstellungen zum Thema Streetart an.
Gut zu wissen
Martin Arz www.martin-arz.de
www.instagram.com/martin_arz
Buch: Martin Arz STREETART MÜNCHEN – Reiseführer für Münchner, Hirschkäfer Verlag
Über den Autor*Innen
Gabi Dräger
Wo findet man Gabriele Dräger in den Bergen? Natürlich in einer Alm bei einer Brotzeit., denn Almen mit guter Küche ziehen sie magisch an. Gipfel nimmt sie auch hin und wieder mit. So hat sie einige 5.000er beim Trekking in Süd Amerika und Nepal, bestiegen. Ihre Hochleistung war der Kilimandscharo mit 5.895 Meter. Kultur und Brauchtum faszinieren sie genauso, wie Städte und Kunstausstellungen. Obwohl sie gerne in urigen Berghütten übernachtet ist sie dem Luxus von guten Hotels nicht abgeneigt.