Wels in Oberösterreich – historisch, jung und lebenslustig

K&K - Kulinarik und Kultur in der siebtgrößten Stadt in Österreich - Wels in Oberösterreich - (c) Gabi Dräger

Bei dem Wort Wels fällt manchen sicher zuerst der Fisch ein. Doch in diesem Fall ist die Stadt Wels gemeint – die siebtgrößte Stadt in Österreich.

Wels liegt an der Traun, ist gemütlich, von Hektik keine Spur. Die historische Altstadt ist sehr übersichtlich, alles ist gut zu Fuß zu erreichen. Doch Wels ist auch Kongress-, Messe- und Schulstadt, das heißt es wird nie langweilig und das Leben pulsiert in der Stadt. Das Durchschnittsalter der Einwohner ist erfrischend jung.

Einsteigen in den Charme und Genuss von Wels kann man gleich nach der Ankunft im Café Urbann in der Schmidtgasse, das schon seit 1853 besteht. Die Spezialität ist der Bubikopf: Er besteht aus Windbeutelteig, der mit Schlagobers gefüllt und mit Kastaniencreme getoppt wird. Die Welser Torte ist das, was für den Wiener die Sachertorte ist. Sie besteht aus einer feinen Tortenmasse mit Krokant-Nüssen, Haselnuss-Nougat und Orangenlikör, getunkt in edle Schokolade. Die Punschkrapferl sind allerdings auch nicht zu verachten.

Wels per Stadtführung
Die Stadtführung Wels fängt auf dem Kaiser-Josef-Platz an, den die Welser nur „KJ“ nennen. Auf dem Platz findet an Samstagen ein gut besuchter Flohmarkt statt. Ein Mann probiert gerade eine Lederjacke und verhandelt dabei den Preis. Es geht in ein paar Schritten zum Maresi Haus, das Maria-Theresia-Haus, ein Hochhaus, das 1960 gebaut wurde und mit 78 Metern höher war, als das damals höchste Haus in Linz, der Landeshauptstadt von Oberösterreich. Gleich gegenüber reckt sich das Wahrzeichen von Wels auch in die Höhe, der barocke Ledererturm, das letzte erhaltene Stadttor. Er hat den Namen durch die Gerber erhalten die vor der Stadt im Mühlbach Leder hergestellt haben. Zur Weihnachtszeit wird der Turm mit mehr als 1000 LED-Ketten beleuchtet. Oben im Turm wohnt das Christkind und Kinder dürfen das Zimmer besichtigen und ihre Wunschzettel im Christkindl-Postamt im Erdgeschoß in den Briefkasten werfen.

Der Stadtplatz ist die Hauptschlagader der Lebenslust
Der Stadtplatz ist von 64 Barock- und Renaissancefassaden eingerahmt, er zählt zu den schönsten Stadtplätzen in Österreich. Cafés, Geschäfte und Boutiquen reihen sich aneinander, das macht den Platz so lebendig – hier pulsiert die Lebenslust. Brunnen mit kleinen Fontänen locken bei warmen Wetter Kinder an, die über die Fontänen springen und dabei mit der Zeit ganz nass werden.

Kaffeeothek
Der Geruch von frisch gemahlenen Kaffeebohnen liegt in der Kaffeeothek in der Luft. Stefan Grillmair hatte mit Ines, seiner Frau, die Idee zu dem Kaffeegroßhandel und Coffeeshop. Er ist Barista und ausgebildeter Röster und bietet von 20 verschiedenen Röstern 70 hochwertige Kaffeebohnensorten an. Er erklärt, dass die Cafészene immer größer wird. Hier muss man unbedingt einen Espresso trinken und die Atmosphäre des Stadtplatzes auf sich wirken lassen.

Wasserturm, Schaufelrad und Schloss Polheim
Gestärkt geht es ein Stück an der alten Stadtmauer entlang zum Wasserturm von 1578, der damals die umliegenden Häuser per Leitung mit Wasser versorgt hat. Im Mühlbach, einem Seitenarm der Traun, dreht sich unermüdlich ein altes Schaufelrad. Gleich nebenan liegt das Polheimer Schloss an der Freyung, das 1237 von Albero von Polheim erbaut wurde. Er gehörte zu einem der ältesten Adelsgeschlechter Oberösterreichs. Besonderes Detail ist, dass ein Teil des Gebäudes auf der Stadtmauer errichtet wurde und dass das Schloss früher ein eigenes Tor sowie einen eigenen Burggraben hatte.

Die Burg   
Im kleinen Burggarten sieht man häufig festlich gekleidete Hochzeitsgesellschaften und Fotografen schießen ununterbrochen Fotos, denn das Standesamt ist in der Burg untergebracht. Schon im 12. Jahrhundert ist die Burg entstanden und war lange im Besitz der Habsburger. Maximilian I. von Österreich wohnte hier, wenn er in Wels war. Im Jahre 1519 ist er in Wels gestorben und wurde in der Wiener Neustadt begraben. Allerdings hatte er vorher schon vier Jahre lang auf seinen Reisen immer seinen Sarg mitgeführt. Mit seiner ersten Frau Maria von Burgund hatte Maximilian, obwohl es am Anfang ein Zweckbündnis war, eine gute Partnerschaft und eine Liebesbeziehung. Sie hatten drei Kinder, ein Sohn starb nach der Geburt. Maria von Burgund war gut aussehend, intelligent und sportlich. Sie starb mit 25 Jahren nach einem Reitunfall. Durch seine zweite Hochzeit mit Bianca Maria Sforza hat Maximilian I. eine große Mitgift erhalten. Er war ständig in Geldnöten und musste Kredite bei den Fuggern in Augsburg aufnehmen. Während der Ehe hat er seine zweite Frau oft als Pfand hinterlassen, wenn er seine Schulden bei den Wirten nicht bezahlen konnte. Er hat sie schlecht behandelt und er entfernte sich immer mehr von ihr, da sie zwar schön, aber nicht intelligent genug war. Mit ihr hatte er keine Kinder, es zog ihn zu seinen verschiedenen Geliebten, mit denen er neun oder sogar vierzehn Kinder hatte. Im Burggarten erinnert ein Denkmal an Kaiser Maximilian I. Er wurde auch der letzte Ritter genannt. Im Stadtmuseum, das auch in der Burg untergebracht ist, wird die Geschichte der Stadt und der Landwirtschaft gezeigt. Wohnstuben, ein Verkaufsladen, die Mostherstellung und Getreideverarbeitung sind zu sehen. Im Gebäckmuseum kann man die Grundform der Gebäcke sehen, die oft bis in das Mittelalter zurückgehen.

Stadtpfarrkirche
Die gotische Stadtpfarrkirche mit ihrem Kreuzgewölbe wurde 888 zum ersten Mal erwähnt. Im Inneren kann man noch das gut erhaltene romanische Portal sehen. Die Chorfenster aus dem 14. Jahrhundert sind großartig: Sie leuchten farbkräftig in rot und blau. Die wertvollen Fenster wurden während des Krieges in Bad Hall versteckt und konnten erhalten werden. In der Kirche sind die Gräber der Polheimer Adligen untergebracht.

Arkadenhöfe
Typisch für Wels sind 30 prunkvolle Arkadenhöfe aus der Zeit der Renaissance, die allerdings meistens im Privatbesitz sind. Das Café, Bistro und Weinhaus „In’s Haas“ ist in einem wunderschönen Haashof aus dem 16. Jahrhundert untergebracht. Er zählt zu den schönsten Arkadenhöfen in Wels. Die Küche ist ambitioniert, es gibt zum Beispiel Involtini vom Rehkitz, Prosciutto, Schafskäse, Salbei, getrocknete Tomaten, Kürbisgnocchi und sautierten Blattspinat. Hier kann man bei einem Gericht und einem Glas Wein den Hauch der Geschichte spüren.

Minoriten Kloster
Das Minoriten Kloster wurde im 13. Jahrhundert von dem Adelsgeschlecht der Polheimer gegründet. Im Jahre 1784 hat Kaiser Joseph II. es dann aufgelöst. Danach war es mal Kaserne, Gerichtssaal, Turnhalle, Feuerwehrdepot, Wohnhaus und Archiv. Der Name Wels ist keltischen Ursprungs „Ueles Wilabis“. Schon bei den Römern war Wels eine Siedlungsstadt „Ovilava“. Unter der Kirche werden die Ausgrabungen der Stadt im Archäologischen Museum gezeigt. Bewundernswert ist neben den römischen Fundstücken die anmutige Venus von Wels, die berühmte Bronzestatue aus dem 1. bis 2.Jahrhundert.

Gösserbräu mit gemütlichem Biergarten
Im Biergarten Gösserbräu lässt es sich ganz gemütlich unter den Kastanienbäumen sitzen. Auf der Speisekarte stehen Gulasch, Kalbsrahmbeuschel, Tafelspitz, Jägerpfandl und Brettljausn, da ist es wirklich schwer, sich zu entscheiden. Palatschinken und Apfelstrudel runden die süße Seite ab.

Die Partymeile
Die enge Hafergasse ist die absolute Partymeile. Restaurants und Bars liegen dicht an dicht beieinander. Hier kann man die ganze Nacht ausgehen, feiern und flirten.

Welios – Ausflug ins All
Im Erlebnismuseum Welios wird es spannend: Start im Nasa Zentrum, der Stuhl im Simulator wackelt und vibriert, ein Gefühl vom Fliegen kommt auf. Danach folgt der Flug im luftleeren Raum, aufgepasst ein Asteroidenfeld, dann das Andocken an der Raumstation. Der anschließende Blick von der Raumstation auf die Erde ist gigantisch. Bei einem anderen Simulator soll das Raumschiff sicher gestartet werden, doch die Energie ist ausgegangen, Fehlstart, also noch einmal versuchen. Im Raum der Illusionen sieht man nicht immer, was man sieht, der Grund sind optische Täuschungen. Im Welios werden Technik und Naturwissenschaft spielerisch dargestellt. Wie funktioniert der menschliche Körper, ein Wasserkraftwerk, wie fliegt ein Flugzeug und wie fliegt man ins All. Im Mitmach-Museum haben nicht nur die Kinder viel Spaß.

Restaurant “Agape” – Cuisine und Wein
Auf dem Stadtplatz gegenüber der Stadtpfarrkirche steht ein Restaurant, das auf Mittelmeerküche mit Fisch und auf dry aged Steaks spezialisiert ist. Thunfischtatar mit Wasabi ist die Vorspeise. Als Hauptgang wird Wolfsbarsch im Speckmantel und Zucchini-Gemüse serviert. Panna Cotta mit Waldbeeren und ein Espresso sind der Abschluss.

Tiergarten – der Mega-Tipp für Kinder
Es macht Spaß den lebhaften Kattas, den Lemuren aus Madagaskar mit den langen Ringelschwänzen zuzusehen. Am Mühlbach, der durch den Tiergarten fließt, gibt es Reiher, Störche, Kormorane, Kraniche, Marabus, Perlhühner, Ibisse, Keas und Papageien. Auch Zwergziegen, Echsen und Schildkröten kann man bestaunen. Die Neuseeländischen Grasschweine werden gerade gefüttert, sie stürzen sich schmatzend und grunzend auf den Salat und die Karotten. Die Forellen im Mühlbach dürfen mit Futter aus dem Automaten gefüttert werden. Der Hahn und seine Hühnerschar laufen frei im Tiergarten herum. Natürlich gibt es auch einen Spielplatz für Kinder mit Rutsche und Schaukeln. Eis? Keine Frage, Eis darf an einem Tag im Tiergarten nicht fehlen. Das Tiergarten Büffet bietet Wiener Schnitzel mit Pommes im Sonntagsangebot für 9,50 Euro an. Der Eintritt in den Tiergarten ist sehr familienfreundlich, er ist frei.

Museum Angerlehner
Wer sich für zeitgenössische Kunst interessiert, der geht in das Museum Angerlehner in Thalheim bei Wels. Es ist Österreichs größtes privates Museum. Gezeigt wird zeitgenössische, österreichische Kunst ab 1950, die Heinz J. Angerlehner gesammelt hat. Zusätzlich gibt es immer wieder Sonderausstellungen. Zur Zeit werden Werke von Martin Praska „Short Stories“, Monika Kus-Picco, „Medizinbilder. 2018 – 2020“ und Mario Dalpra „Be inspired. Skulptur und Malerei“ gezeigt.

Hotel Ploberger – ein Himmelreich für Frühstück-Fans
Das Frühstück im Hotel ist wirklich etwas ganz Besonderes, es stammt zum größten Teil aus Eigenproduktionen. Für Müsli-Fans ist das Angebot ein Himmelreich, denn es gibt 28 Möglichkeiten, das Müsli mit frischem Obst, Beeren, Nüssen und Getreidesorten zu ergänzen. Frisch gepresster Orangensaft, Wurst, Schinken, Käse, geräucherter Fisch, hausgemachte Marmeladen und Kuchen ergänzen das Angebot. Vor dem Hotel gibt es Sand und Liegestühle, einen Schanigarten und ein Spezialitäten-Geschäft „Naschmarkt“, das am Abend regionale und abwechselnd asiatische Küche anbietet.

Kontakt
Wels Tourismus www.wels.at
Stadtmuseum in der Burg www.wels.at

Hotel Ploberger www.hotel-ploberger.at
Naschmarkt www.naschmarkt-wels.at

Stadtführungen mit Austria Guides www.wels.at/fuehrungen
Café Urbann www.urbann.cc
Kaffeeothek www.kaffeeothek.at
Restaurant Agape Cuisine www.agape-cuisine.at
In’s Haas www.inshaas.at
Gösserbräu www.goesserbraeu.at

Museum Angerlehner www.museum-angerlehner.at
Welios Science Center www.welios.at
Welser Tiergarten www.wels.gv.at/lebensbereiche/leben-in-wels/tiere/tiergarten-wels/

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