Languedocs faszinierende Weinwelt

Languedocs faszinierende Weinwelt, die Landschaft, die Kulinarik und die Gesichter der Winzer - (c) Carola Faber

Das Languedoc, diese unverwechselbare Region an der Mittelmeerküste, begeistert mit spektakulären Landschaften und einer Weinkultur, die Tradition und Moderne vereint. Immer mehr Erzeuger konzentrieren sich konsequent auf Qualität, entwickeln ihr Handwerk stetig weiter und ernten weltweit Anerkennung für ihre charaktervollen Weine.

Heute steht das Languedoc für eine beachtliche Bandbreite an Stilen – von lebendigen, mineralischen Weißweinen bis zu tiefgründigen Roten, die ihre Herkunft stolz zur Schau stellen. Gleichzeitig steigt die Zahl zertifizierter Bio-Weingüter kontinuierlich an, und zahlreiche Spitzenbetriebe gehören längst zu den Leitfiguren des französischen Weinbaus.

Ein faszinierendes Schaufenster in diese dynamische Welt eröffnete die mehrtägige Veranstaltung „Terroirs et Millésimes“, ausgerichtet vom Weinmarketingverband CIVL. Sie bot die Gelegenheit, das Herz des Languedoc aus nächster Nähe kennenzulernen – bei inspirierenden Begegnungen, spannenden Masterclasses und thematischen Verkostungen, die die Vielfalt der Region eindrucksvoll erlebbar machten.

Im Fokus standen renommierte Appellationen wie Languedoc, Cabardès, Pic Saint Loup, La Clape, Boutenac, La Lininière, Limoux, Malpère, Terrasses du Larzac, Crés de Montpellier, Saint-Chinian, Faugères, Muscats du Languedoc, Clairette du Languedoc und Picpoul de Pinet – jede mit ihrem eigenen, unverwechselbaren Profil.

Picpoul de Pinet – alte Reben, neue Entdeckungen
Die Rebsorte Picpoul de Pinet ist ein echter Geheimtipp, obwohl sie auf eine lange Geschichte zurückblickt. Bereits um 1380 tauchte sie als „Picapoll Nigri“ erstmals in Schriften auf. Zusammen mit Cinsault und Clairette Blanche zählt sie zu den ältesten Rebsorten der Region. Die Weißweine aus Picpoul de Pinet überzeugen mit einem frischen Duft nach Zitrusfrüchten wie Limette und Grapefruit und einer klaren, fast gläsernen Farbe. Am Gaumen zeigen sie sich animierend und feingliedrig, mit einem langen, aromatischen Ausklang.

Gleichfalls bemerkenswert sind die Weine der AOP Saint-Chinian. Diese Appellation wurde 1982 offiziell anerkannt und erstreckt sich über hügelige Lagen zwischen Béziers und dem Massif Central. Vor allem aus Syrah, Grenache, Mourvèdre und Carignan entstehen hier kräftige Rotweine mit würziger Aromatik und markanter Tanninstruktur. Daneben gibt es frische Rosés und kleine Mengen eleganter Weißweine. Im Norden verleihen Schieferböden den Weinen Präzision und Mineralität, während im Süden Kalk und Ton für Fülle und Geschmeidigkeit sorgen.

Ein besonders eindrückliches Erlebnis bietet der Besuch einer ehemaligen Kellerei, die heute Künstler Spiktri als Leinwand für seine fantasievollen Installationen nutzt. Inmitten surrealer Kunstwerke schmecken die Rotweine der AOP Boutenac fast noch intensiver – sie entfalten in diesem Rahmen eine neue, spannende Dimension.

Genuss mit Aussicht
Im Restaurant La Touketa des Château Ollieux Romanis lassen sich die Weine mit Panoramablick genießen. Das Weingut gehört zu den renommiertesten Adressen der Region und ist seit 1860 in Familienbesitz. Pierre Bories, der das Château heute führt, vereint Experimentierfreude mit kompromisslosem Qualitätsanspruch. Alte Rebstöcke auf hervorragenden Lagen bilden das Fundament für seine eindrucksvollen Rot- und Weißweine. Neuerdings entstehen hier auch Naturweine mit minimalem Schwefeleinsatz. Seit dem Jahrgang 2020 sind alle Flächen zertifiziert biologisch bewirtschaftet.

Ein Besuch bei Pierre Bories begeistert durch die Vielfalt der Weine und die Energie, mit der er sie immer weiterentwickelt. Hoch über den Rebhängen beeindrucken zudem die eleganten Gewächse vom Château Ste Lucie d’Aussou, Château Rives Blancs oder Château St. Estpehe.

Eine weitere Perspektive eröffnet das Château de Fauzan, das höchstgelegene Weingut der Appellation, wo Artenvielfalt und nachhaltige Anbaumethoden besonders großgeschrieben werden. Perfekte Begleiter zu Käse sind die Weine der Güter Alliance Minervois, Domaine La Combe Blanche, Château La Croix Martelle, Clos du Marbrier, Château Maris, Ambroise Vanlancker, Domaine Les Combes Cachées, Domaine J Calmes und Château De Gourgazaud.

Zwischen alten Amphoren und Olivenhainen
In der Domaine Sarrat präsentierten die Winzer der AOP La Clape einige ihrer besten Tropfen. Vom Château Mire l’Étang beeindruckte eine Vertikalverkostung der Jahrgänge 2016, 2021 und 2024. In der Nase verbinden sich Zitrusnoten, Kräuter und feiner Honig. Am Gaumen zeigt sich eine saftige Fülle, unterlegt von einer zarten Salzigkeit und mineralischem Charakter – ein vorzüglicher Weißwein mit viel Eleganz und Länge.

Das Château Mire l’Étang zählt zu den Wegbereitern des Cru La Clape und ist seit 2003 Terra Vitis-zertifiziert. Seine Weinberge profitieren vom kieselreichen Lehmboden und dem ausgleichenden Einfluss des nahen Mittelmeers – ein Segen für die Reben in dieser trockenen Gegend. Vom Gut aus reicht der Blick weit über die Lagunen, die Aude-Mündung und den Golf von Lion. Im Süden türmt sich die Pyrenäenkette auf, mit dem Canigou als markantem Wahrzeichen.

Seit der Übernahme durch die Familie Chamayrac 1972 ist das Weingut von 36 auf knapp 50 Hektar gewachsen – 42 davon AOC-klassifiziert. Zahlreiche Auszeichnungen belegen den Erfolg, den die aufwändigen Modernisierungen und das erweiterte Sortiment gebracht haben.

Und schließlich, kurz vor den Toren der mittelalterlichen Stadt Carcassonne, das inspirierende Treffen in der Weinbar Au Verre d’Un mit der 84-jährigen Winzerin Sabine Le Marié vom Château de Serres. Ihre Begeisterung für das Terroir der AOP Malepère ist in jedem Glas spürbar.

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Über den Autor*Innen

Carola Faber

Carola Faber

Seit mehr als 30 Jahren ist Carola Faber als freie Journalistin sowie Fotografin für verschiedene landesweite Printtitel und renommierte Online-Magazine aktiv. 2010 erhielt sie einen Fotopreis der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung. Außerdem hat sie bei der Hannoverschen Allgemeinen an der Serie "Mein Ausflug" mitgewirkt, der den European Newspaper Award erhielt. Seit 2013 erhielt sie im Rahmen der ITB beim Journalistenpreis Irland regelmäßig einen Platz unter den TOP 10. In Spanien wurde sie mit dem Internationalen Medienpreis der Costa Brava “Counties G! Awards” ausgezeichnet.